Pauline en Colombia

meine Erlebnisse in Tunja

 
25Juni
2018

En el Parque Manoa

Hola a todos como están?

Ich habe mir gedacht, dass ich mal wieder einen Blogeintrag machen könnte. Beim Durchsehen der alten Blogeinträge ist mir aufgefallen, dass ich euch gar nicht von meinem Ausflug nach Paipa erzählt habe.

Ivonne, Karol und ich wollten Kolumbien etwas besser kennenlernen und an einen Ort reisen, den wir alle noch gar nicht kannten. Auf facebook fanden wir dann den Parque Manoa der zum Entdecken der Kultur der Muiscas gedacht war. Nichts wie hin dachten wir uns! Die Hauptattraktion des Parks ist der Hochseilgarten und das Labyrinth der Muiscas. Da der Hochseilgarten zu teuer war, entschieden wir uns für einen Basistarif.

Dann ging es am nächsten Tag endlich los. Da wir alle soziale Arbeit studieren und man ja dem Klischee gerecht werden muss, dass Sozialarbeiter nicht so viel Geld verdienen, nahmen wir alle nur das nötigste an Geld mit. Ivonne wohnt in der Nähe von Toca und wir entschieden uns, dass Karol und ich zusammen nach Paipa fahren und Ivonne dort erst treffen. Leider verspätete sich unser Bus nach Paipa ziemlich (kolumbianische Pünktlichkeit halt :-P) und wir verpassten den Shuttle in den Parque Manoa. Karol, Ivonne und ich überlegten was wir tun konnten und ich schlug vor ein Taxi zu nehmen. Das Taxi kostete allerdings 45000 Pesos (umgerechnet 15 Euro), da wir alle aber nicht genug Geld hatten, mussten wir uns etwas anderes einfallen lassen. Ivonne hatte dann die Idee einen Bus zu nehmen der in der Nähe des Parques halten sollte. Die Betonung liegt auf "Sollte". Karol und ich hatten schon den Verdacht, dass es etwas weiter werden könnte, aber Ivonne meinte nur "Schaut mal, da laufen auch die kleinen Kinder mit ihren Eltern hoch, der Park ist also gar nicht weit!"

Als wir am Anfang eine Frau nach dem Weg fragten, meinte sie, dass es doch etwas weiter sei. Hochmotiviert den ganzen Weg zu Fuß zurückzulegen, dachten wir erst, dass diese Frau übertreibt. Nach gefühlten 2 Kilometern bergauf dachten wir ein Ziel wäre in Sicht, da hatten wir uns aber geschnitten. Angetri eben von Wegweisern die zum Parque Manoa führten legten wir Stück für Stück des Weges zurück. Karol und Ivonne hatte die Idee Autostop zu machen, da die Fundacion es aber verboten hatte, lehnte ich ab und wir gingen zu Fuß weiter. Dennoch muss man sagen, dass die Landschaft dort oben traumhaft war, aber Bilder sagen ja bekanntlich mehr als 1000 Worte:

Nach einer halben Ewigkeit kam ein Schild "Parque Manoa nur noch 1 Kilometer". Das musste auf einem Foto festgehalten werden:

Mit Google Maps haben wir später herausgefunden, dass wir weit mehr als 11 Kilometer gewandert sind. Als wir dann erschöpft im Park ankamen, durften wir alle erstmal eine kleine Runde reiten und gingen dann zu einer weiteren Hauptattraktion der Maya einem Klettergarten. Kurz darauf wurden wir gefragt, ob wir Lust auf ein wenig Senderismo ecologico, also ein Wanderpfad durch die Natur hätten der 30 Minuten dauert.

Später fuhren wir noch viele Runden Bähnchen, auf einem Kinderpolizeimotorrad und ich lernte das Nationalspiel "Techo der Kolumbianer kennen.

 

Es war zwar ein anstrengender Tag, aber wunderschön und wir drei waren alle noch nie ganz alleine in einem Freizeitpark! Nach dem Techo wollten wir den Rückweg selbstverständlich zu Fuß antreten, aber Diego und seine Mitarbeiter hatten unsere leidvolle Geschichte des langen Weges gehört, kamen uns kurz darauf mit ihren Motos entgegen und brachten uns sicher zurück nach Paipa.

 

25Juni
2018

Colombia- en menos de un mes nos veremos!

Hola a todos, como están?

wie ich ja schon in meinem letzten Blogantrag angedeutet habe, wird das Abenteuer Kolumbien weitergehen.

Nach meiner Ankunft in Deutschland habe ich direkt angefangen Flüge nach Kolumbien zu suchen und kann vermutlich jetzt bald auf Basis von den im Studium gelernten Forschungsmethoden eine Studie zur Flugpreisentwicklung für Flüge nach Bogota entwickeln.

Noch ein kleiner Fun Fact zu Zwischenstopps und Einreise in die USA:

Die Einfuhr von verpackter Schokolade ist erlaubt, ausgenommen davon sind Überraschungseier, da kleine Kinder daran ersticken können. 2012 sind sogar 60.000 Überraschungseier beschlagnahmt worden. Da hatten die Zollbeamten ja einen Zweijahresvorrat zu essen. :-)

Schon irgendwie lustig, dass im Land der unbegrenzten Möglichkeit keine Überraschungseier erlaubt sind.

Am 24. Juli geht es endlich wieder los. Danke Mama, dass du diesen tollen und günstigen Flug gefunden hast!

Immer wieder muss ich daran zurückdenken, wie ich damals vor fast einem Jahr am 11. August mit den Pandas nach Kolumbien geflogen bin, ohne jegliche Erwartungen. Das einzigste, was ich damals schon spürte war, dass Kolumbien mein gesamtes Leben auf den Kopf stellen wird und damit sollte ich Recht behalten.

Zwei Monate werde ich bei meiner kolumbianischen Familie verbringen und selbstverständlich auch meine Schüler besuchen. Meine Elftklässler haben im Dezember ihr Abi gemacht. Mich macht es stolz sie auf ihrem Weg begleitet zu haben und bereue es auch keine Sekunde beim Lehrerausfall damals eingesprungen zu sein. Keren hat ein Stipendium bekommen und ist jetzt eine stolze Psychologiestudentin (bald im 2. Semester), Jenny und Maryuri machen eine Ausbildung als Erzieherin, Anderson will im nächsten Semester anfangen soziale Arbeit zu studieren, Laura studiert Jura und Fabian Umweltingenieurwesen. Dieses Jahr werden im Dezember auch meine Nachhilfeschüler Laura, Pablo und Deisy ihr Abi machen.

Meine Drittklässler werden sich vermutlich am meisten über meine Ankunft freuen, aber auch die Siebtklässler und Elftklässler können meine Ankunft kaum erwarten. Meine profes freuen sich auch riesig, dass ich wieder vorbeikomme. 7-4, die Klasse, die ich gleichzeitig zu hassen und lieben gelernt habe, wurde aufgelöst. Wie ich ja in einem anderen Blogeintrag beschrieben habe, werden die Klassen jedes Schuljahr neu gemischt. Die jetzige schlimmste Klasse ist 8-4, mit der vielleicht auch wieder ein paar Unterrichtsstunden gemeinsam haben werde.

Mein Terminkalender wird von Tag zu Tag immer voller, ich werde mit meinen Lehrern und meiner Familie Kekse backen, mit einigen meiner Elftklässlern zusammen Tinto trinken gehen, bei meinen Nachbarn und meinen Sozialarbeiterfreunden Ivonne, Karol und Vivian und meinem Patenkind Valentina vorbeschauen. Jetzt wisst ihr vielleicht warum Nelly immer meint "Pauline tiene más citas que el presidente!" (=Pauline hat mehr Termine als der Präsident!)

Nach zwei Semestern Studium muss ich zugeben, dass es auf der anderen Seite der Macht (als Lehrer bzw. Dozent) viel cooler ist. Da darf ich Arbeiten korrigieren, aber schlechte Noten gebe ich grundsätzlich nicht gerne, obwohl sie in Kolumbien an der Tagesordnung sind. Mir macht es auch mehr Spaß vor der Klasse zu stehen und selbst zu unterrichten, als nur im Unterricht zu sitzen, was manchmal besonders zu Schulzeiten sehr langweilig war.

Irgendwie ist es aber auch ein bisschen komisch nicht mehr vor der Klasse stehen zu können. Als ich damals mit meinen Eltern im Urlaub war und meine Schülerin die Schule mussten, wurde ich sofort gefragt warum ich denn nicht in die Schule gekommen bin und ich wurde selbst nach ein paar Tagen schon vermisst. Im Studium hingegen ist es egal ob du in die Vorlesung kommst oder nicht und keinem fällt auf ob man fehlt oder nicht. Was mir besonders am Anfang schwergefallen ist, war dass in meiner Schule alles sehr familiär war und ich gefühlt alles und jeden kannte. An der Hochschule ist es alles viel größer und unübersichtlicher, was natürlich auch für Pauline viele neue Möglichkeiten bietet sich zu verlaufen.

Wie manche von euch wissen, konnte ich auch schon soziale Arbeit Vorlesungen bei Profe Martin kennenlernen und habe mir gedacht ich könnte ja mal von den Unterschieden berichten:

1. In Kolumbien sind immer sehr viele Studenten gleichzeitig in einem Raum. Und mit sehr vielen ist genau 30 gemeint. Ich muss mich dabei manchmal echt zusammenreißen nicht loszulachen, wenn ich mir überlege im letzten Semester mit 500 Studenten im Raum gesessen zu sein. 500 Studenten in einem Raum???? Das gibt es doch gar nicht, meinen die Kolumbianer und fangen an zu lachen.

2. In Deutschland gibt es ab dem zweiten Semester Kurswahlen und man kann sich entscheiden welchen Schwerpunkt bzw. welches Modul man belegt. In Kolumbien sind die 30 Studenten, immer in denselben Fächern und es gibt gar keine Wahlfächer. Für den pregrado der dem Bachelor bei uns ähnlich ist, studiert man 5 Jahre.

3. In Kolumbien herrscht in jedem Semester ein sehr starkes Gruppengefühl, was glaube ich damit zusammenhängt, dass es weniger Studenten sind und sie alles gemeinsam haben.

4. In Kolumbien gibt es keine Wartesemester und man muss die Abiprüfung wenn man wiederholen wenn man durch schlechte Noten nicht seinen Traumstudiengang studieren kann.

5. Studiengebühren! Staatliche Bildung und staatliche Universitäten haben in Kolumbien einen schlechteren Ruf. Ein Semester Psychologie an einer Privathochschule kostet ca. 2000 Euro pro Semester und ein Semesterticket wie wir es haben gibt es auch nicht.

6. In Kolumbien gibt es im Kindergarten in der Schule und im Studium Uniformen. Auch im Praxissemester sind die Studenten verpflichtet je nach Hochschule eine spezielle Uniform zu tragen. Das Tragen der Uniform und die mündlichen Noten fließen zusammen mit dem Sozialverhalten in die Endnote ein. Wenn es in der OTH die Uniformregel geben würde, hätte ich sicherlich meinen Erstversuch der Gesundheitsprüfung bestanden!

(Uniform der Sozialarbeiter in Kolumbien)

Nach dem Vergleich muss ich sagen, dass wir in Deutschland sehr viel theoretischens Input bekommen, aber uns im Bereich Gesprächsführung und Lebenserfahrung von den Kolumbianern eine Scheibe abschneiden können. Den Gruppenzusammenhalt im Semester kann ich nur sehr schwer vergleichen, finde aber trotzdem, dass das Verhältnis in Kolumbien familiärer ist.Der mitunter größte Unterschied ist das Verhältnis zu den Dozenten. Wie auch in den Schulen werden sie mit Profe und Vornamen angesprochen. Das Verhältnis zwischen Student und Dozent kommt mir in Kolumbien auch um einiges lockerer vor.

Im Bereich Praktikum hat sich auch schon einiges getan: Milagro de Amor ist eine Fundacion die mit Kindern arbeitet, die sexuell missbraucht worden sind oder Opfer von Gewalt geworden sind. Für 2 Wochen werde ich dort Probearbeiten dürfen und mit den 25 Kindern und Jugendlichen ein kleines Projekt durchführen. Was das für ein Projekt sein wird, lasst euch überraschen. :-)

Ich kann es kaum erwarten mit offenen Armen von meiner Familie, meinen Schülern und Milagro de Amor empfangen zu werden!

Hasta luego!

 

04Dezember
2017

Colombia nos veremos pronto

Hola a todos!

... lange habe ich es nicht ohne mein geliebtes Kolumbien ausgehalten...

...und so stand nach 6 Wochen wieder vor der Tür meiner Schule. Und das Beste niemand wusste davon...

Um nicht zu viel Aufsehen zu erregen bin ich mit Schuluniform und Kapuze auf dem Kopf losgegangen und bin dann (fast) noch zu spät in die Schule gekommen (fast wäre meine Tarnung aufgeflogen :-o)

Dort angekommen war die Wiedersehensfreude riesig. Es war als wäre ich nie weg gewesen. Besonders groß war die Überraschung bei meinen Elftklässlern und natürlich auch bei der Primaria. Mit meiner Ankunft begann auch der Streit, bei wem ich wohnen und essen sollte. In den beiden Wochen bevor die Uni losging war ich jeden Tag zum Mittag oder Onces Essen bei meinen Freunden eingeladen. So viele Einladungen hatte ich glaube ich in so kurzer Zeit noch nie in meinem Leben.

Der mit Abstand schönste Moment (für den ihr mich sicherlich alle für verrückt halten werdet) war neben dem Empfang an meiner Schule, die Kartoffelsuppe. Obwohl ich sie anfangs nahezu gehasst hatte und die Kolumbianer für verrückt erklärt hatte, lag ich im Bett und wollte mitten in der Nacht urplötzlich Kartoffelsuppe essen. :-) Creo q estoy loca!

Apropos Kartoffelsuppe- eine kleine Anekdote aus dem Hochschulalltag.

Wie nahezu jeden Abend schaute ich mir den Mensaplan meiner Hochschule an und freitags gab es Kartoffelsuppe. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie sehr ich mich auf die Kartoffelsuppe gefreut habe und bin deswegen sogar extra eine Stunde früher zur Hochschule gefahren. Nur um meine geliebte Kartoffelsuppe zu bekommen...

Ich muss zugeben, dass ich noch nie so über ein Gericht in der Mensa gefreut habe wie an diesem  Tag, doch dann folgte die böse Überraschung... Erst fand ich die Kartoffelsuppe gar nicht und dachte schon ich wäre zu spät... Doch Glück gehabt beim zweiten Schauen fand ich dann doch eine Suppe, aber sie war grün. Also bin ich noch ein drittes Mal durch die Mensa gelaufen und es stellte sich heraus, dass diese komisch grünaussehende Suppe die Kartoffelsuppe sein sollte. Gut wenn ich schon da bin dann probier ich sie schon mal ,dachte ich. Nun begann die Suche nach der Nadel im Heuhaufen oder mejor dicho der Kartoffel in der Suppe, die genauso erfolgreich verlief.

Und die Moral von der Geschichte: Die Mensa ´macht sehr guten Kartoffelsalat, Schnitzel und vieles andere aber von der Kartoffelsuppe sollte man besser die Finger lassen.

Wenn wir schon beim Thema Studium sind- mich hat es nach Regensburg gezogen, wo ich jetzt soziale Arbeit studiere und kolumbianische Zustände genieße. Wer schon die Beiträge zum Lehrermangel und paro gelesen hat weiß wie chaotisch es damals an meiner Schule war. Nun bin ich wieder als Student auf der anderen Seite und erfreue mich mit 500 Studenten zusammen in einer Vorlesung zu sitzen. Dass es so viele Studenten sein werden war anfangs noch nicht klar, da durch einen Tippfehler ein paar Hunderte Studenten zu viel zugelassen wurden. Nur mal so zum Vergleich die Kolumbianer beschweren sich auch immer über viieeel zu große Gruppen in den Vorlesungen- nur mit dem Unterschied, dass ihnen 30 Studenten in einem Raum schon zu viel sind... Aber ich nehm das mit kolumbianischer Gelassenheit und Humor auch wenn ich mich mal wieder darüber aufregen könnte, dass der Arbeitseinsatz mancher Studenten eher 7-4 ähnelt. Mit dem neu erwonnenen kolumbianischen Optimismus übe ich mich an Frustrationstoleranz und erfreue mich an der deutschen Schokolade, Gyros,Crepe, Pizza und Schnitzel, was ich in Kolumbien auch ein bisschen vermisst habe.

Nach meinem Exkurs nach Deutschland wieder zurück nach Kolumbien. Ein weiteres Highlight stand an. An einem Nachmittag war ich mal wieder bei Profe Sony zuhause war, fing sie an zu schimpfen dass sie sich ein potthässliches knallpinkes T-Shirt für die Juegos Interdocentes kaufen musste. Von den juegos interdocentes hatte ich damals schon berichtet und ich war wieder dabei. Diesmal habe ich mich aber dem dresscode der Lehrer angepasst und ging im rosa Pulli (sorry aber das knallpinke T-Shirt fand ich genauso hässlich wie Sony), Hut und Ruana. Dort angekommen wartete für mich die größte Überraschung und einer der schönsten Momente meines Lebens in Kolumbien. Ich durfte zusammen mit einer jetzigen deutschen Freiwilligen mit der Fahne meines Lieblingsdepartamientos Boyaca einlaufen.

Eigentlich steht bei den Juegos Interdocentes der Sport im Mittelpunkt. Dabei stand aber bei uns Lehrern eher mal wieder das Essen und anstatt über das Basketballfeld zu rennen, landete ich mit Profe Zulma,Elisabeth und Nancy im Restaurant mit envueltos und einer Würtchenspezialität. So viel zum Thema Sport. Nach 20 Minuten war ich dann zum Mittagessen bei Dona Bertha eingeladen.

Nun möchte ich mich noch ganz herzlich bei allen meinen Unterstützern (wenn auch etwas verspätet) bedanken! Ohne euch hätte ich nie so viele nette Menschen kennengelernt und neue Freunde gefunden!

Mittlerweile zähle ich die Tage bis es im August wieder nach Kolumbien geht. Doch dort steht diesmal mehr Arbeit als Vergnügen an, da ich mein Praktikumssemester in Kolumbien plane. Entweder geht es für mich dann ins warme Barranquilla oder ich werde in meinem geliebten Tunja bleiben. Sobald ich mehr weiß, melde ich mich!

Bei meinem jetzigen Kolumbienaufenthalt sind mir einige Dinge aufgefallen- darunter auch dass der Grund warum mich Kolumbien so in meinen Bann gezogen hat, nur einen einzigen Grund hat. Es sind nicht die schönen Landschaften, die es in Deutschland auch gibt, nein- auch nicht das Essen (ich finde es gut kolumbianisches Essen mit anderen Gerichten abzuwechseln), sondern die Menschen. Es fasziniert mich, wie sie versuchen aus kleinen Dinge große zu zaubern  und selbst in schwierigen Situationen optimistisch sind.

Eine weitere Sache, die mir bei den Kolumbianern aufgefallen ist, dass sie sehr feinfühlig sind und sehr gut Mimik lesen können. Schon die kleinsten Veränderungen fallen ihnen auf... Auch die große Hilfsbereitschaft beeindruckt mich sehr und dass nicht immer gleich ein Gefallen dem anderen gegenüber erwartet wird, ebenso wie die Dankbarkeit. Dazu ein kleiner asiatischer Werbespot, den wir uns alle zu Herzen nehmen können.

Noch eine Hausaufgabe zum Schluss: Schreibt bitte in die Kommentare in welche Schulklasse ich in meinem Outfit gehen könnte:

 Hasta luego! Un abrazo para todos!

25Juli
2017

Clases de acción

Hola a todos!

Heute berichte ich von meinen Clases de Acción. Wie der Name schon sagt, sollten die Schüler neben dem "langweiligen Schulalltag" auch mal etwas anderes kennenlernen. Ich habe Clases de Acción wörtlich genommen, um die Schüler ganz aus dem Unterricht zu nehmen und ihnen etwas beizubringen, was ich gut kann. Was trifft sich denn da besser als ein Besuch auf dem Reiterhof? So ging es einen Sonntag mit meiner Kunstlehrerin Olga und Myriam auf zu einer Finca von einem Bekannten von Myriam. Nach einer kleinen Führung über die Finca und einer kurzen Theorieeinheit sollte es endlich losgehen. Da die meisten meiner Schüler noch nie auf dem Pferd gesessen haben, hatte ich den Plan sie in Zweiergruppen einzuteilen, dass immer einer führt und der andere reitet. Das war der Plan... aber das wäre doch viel zu langweilig. Also wurde kurz erklärt, wie Gas, Bremse und Lenkung funktioniert und los ging es. Erstaunlich war wie gut das funktioniert hat, während ich mich an eine gefühlte Milliarde Longenstunde erinnert habe, bis ich das erste Mal gallopieren durfte.

Kurz das Projekt war ein voller Erfolg und die Bilder sprechen für sich:

Noch ein kleines Video über diesen Tag!

https://www.facebook.com/LiniSpikey/videos/827192447446803/

 

 

 

15Juli
2017

El Cocuy

Hola a todos!

Hoffentlich habt ihr nicht gedacht, dass ich schon im Cocuy erfroren bin.

Wie ihr seht lebe ich noch und es war wärmer als ich gedacht habe. Nachdem Nelly meinte, wie kalt es dort ist, ging ich in Kapuzenpulli, Jacke und Ruana los. Handschuhe und Mütze hatte ich zum Glück nicht nach Kolumbien mitgenommen, sonst hätte ich das sicher auch noch mitgenommen. Angekommen nach der achstündigen Busfahrt im Cocuy  kam die Überraschung, es lag kein Schnee! Und den Schnee gab es auch nur auf dem "Nevado" ,ein Berg mit 5000 Metern Höhe.Auf den Berg darf man nicht mehr steigen, da irgendwelche lieben Amerikaner gemeint haben ihren Müll dazulassen und Einheimische zu stören. Seitdem ist ein Großteil des Berges geschlossen und es werden nur Touren zu bestimmten Zeiten angeboten.

Nachdem wir um 5 Uhr angekommen sind, ging es erstmal ins Bett, da man in den Bussen ja immer so gut schlafen kann. Um 9 Uhr ging es nach einem typischen Frühstück names Mute (eine Suppe mit Fleisch und Bohnen) erstmal das Dorf anschauen. Dabei folgte gleich die erste böse Überraschung. Ich ging mit dickem Pulli und Schal aus dem Haus (weil es ja so kalt sein sollte), doch dann kam die Sonne raus und es war einfach so warm wie in Tunja. Schön, wenn du dir aber keine kurzen Sachen außer einer weißen Bluse mitgenommen hast. :-)

Das Besondere an diesem Tag war, dass das Coliseum (Bild rechts) eingeweiht werden sollte und dazu kam der Regierungschefs Boyacas höchstpersönlich. Da er natürlich keine Zeit und Lust hat 8 Stunden Bus zu fahren, wurde er im Militärhubschrauber gebracht. Dabei entstanden die besten Urlaubsfotos:

Nachmittags ging es dann zu einen Aussichtspunkt, wo man das ganze Dorf des Cocuys sehen kann:

Am nächsten Tag wollten wir eigentlich zu Maoma einem tourischtischen Aussichtspunkt, um den "Nevado" zu sehen und eine Finca von einem Bekannte  zu besuchen. Das ging leider nicht, da der Bekannte, ohne irgendetwas zu sagen nicht da war. So entschieden wir uns einen Jeep zu nehmen. Doch leider fuhr kein Jeep, da man gar nichts mehr sehen konnte. Daher entschieden meine Freundin Vivian und ich, nach Güican zu gehen.

Davor noch etwas Lustiges. Die Kolumbianer sind sehr religiös und es werden immer verschiedene Heilige geehrt, wie an diesem Tag die Virgen del Carmen. Sie ist die Schutzpatronin der Auto, Bus und LKW Fahrer. Deshalb musste selbstverständlich eine Prozession gemacht werden, aber bei dieser Prozession wird nicht wie sonst gelaufen-nein man darf nur im Auto mitmachen.

Wegen der Prozession konnte der Bus nach Güican nicht fahren und wir mussten einen anderen Bus nehmen. Da dieser in eine andere Richtung fuhr durften wir die 10 Kilometer nach Güican laufen. Das war aber ziemlich cool, da ich so den Rio Nevado und die Piscinas Güicans kennenlernen konnte.

Als wir dann endlich ankamen, hatte es sich echt gelohnt. Güican ist bekannt für seine Tierstatuen und einen Aussichtspunkt, bei dem man bei gutem Wetter sogar den "Nevado" sehen kann. Bei uns war es leider ziemlich bewölkt, aber für uns stand fest die 10 Kilometer zu Fuß waren nicht umsonst!

So das wars erstmal! Hoffe es hat euch gefallen!

 

30Juni
2017

Von Erdrutschen, gesunkenen Booten und Urlaubsplänen

"Leben ist, was passiert, während man andere Pläne macht!"

 

Und vielleicht ist Pläne machen nicht immer das Beste, wie sich für mich in den letzten Tagen herausstellte.

Wir Deutsche planen bei unseren Reisen meist alles genau im Voraus (was meistens auch gut ist)...

Aber erstmal zu meinen Ferien:

Während die meisten Freiwilligen sich schon direkt nach Ferienbeginn aus dem Staub machten, um Kolumbien näher kennenlernen, blieb ich noch bei meiner Familie in Tunja und arbeitete zusammen mit den Lehrern (also ingesamt waren wir 7 mit mir) eine Woche im Bereich "Refuerzo Escolar".

Am Wochenende war es dann endlich soweit. Es ging nach Duitama zu meiner Schwester Andrea und die Erstkommunion meiner Schwester Laura wurde gefeiert. Es war ein wunderschönes Fest und Laura sah aus wie eine Prinzessin. Da ich in Deutschland keine Erstkommunion oder gar Firmung hatte, ist es für mich schwer, das mit den Festen in Deutschland zu vergleichen. Es gibt nur drei Dinge die in Kolumbien anders sind:

1. In Deutschland wird man bei der Erstkommunion mit Geschenken überhäuft. Von Freunden habe ich sogar erfahren, dass sie am Ende des Tages nicht mehr Lust hatten Geschenke auszupacken. Ebenso bekommt man viel Geld geschenkt, was in meiner Familie auch nicht der Fall war. Bei uns in der Familie gab es nur Kleinigkeiten als Geschenke und im Mittelpunkt stand vielmehr das Fest.

2. In Deutschland und Kolumbien gehen die meisten Familien in irgendwelche edlen Restaurants mit 3 Gänge Menü und vielem mehr. Wir hingegen haben unser Almuerzo selber zubereitet, was eher einem typisch kolumbianischem Almuerzo glich. Zur Feier des Tages gab es sogar Arepas aus der Nähe von Ramiriqui zum Mittagessen. Danach saßen wir alle noch gemütlich zusammen und genossen das schöne Wetter trotz einiger Regenschauer.

3. Falls es nicht stimmt, dürft ihr mich in diesem Punkt gerne korrigieren. In Deutschland werden meistens sehr viele Menschen zur gleichen Zeit die Erstkommunion haben und alle sind im gleichen Gottesdienst. Laura hingegen hatte einen Gottesdienst ganz für sich allein.

Zum Schluss noch etwas Lustiges: In Kolumbien sind manchmal die Berge sehr steil. Ich bin mit Leidy und ihrem Mann Abdon nach dem Gottesdienst wieder zu Andrea gefahren. Doch das Auto hatte leider nicht genug Leistung um den Berg hochzukommen. Deswegen mussten Leidy, Maike und ich den ganzen steilen Berg hochlaufen. Das ganze wäre nicht ganz so lustig gewesen, wenn ich meine flachen Schuhe nicht bei Nelly und Jose im Auto gelassen hätte. So durfte ich den ganzen Berg mit hohen Schuhen hochlaufen und auch noch über die vollgematschten Wiesen, da Nelly und Jose noch unterwegs waren.

Nach Lauras Erskommunion sollte es für mich nach Medellin gehen. Tja jetzt kommen wir zum Titel.

Viel zu früh hatte ich mir meine Flüge reserviert und war glücklich dass ich sie sehr billig bekommen hatte.

Die Betonung liegt auf HATTE... Als ich die Boardkarte ausdrucken wollte, kam das blaue Wunder. Die Reservierung war ohne Flüge. Als ich dann in meine Mails schaute stellte ich fest, meine Kreditkarte wurde nicht akzeptiert. So durfte ich einen Abend vor dem Abflugdatum noch mal neue Flüge buchen.

Angekommen in Medellin, konnte ich Medellin von einer ganz anderen Seite kennenlernen, da ich meine beste Freundin Laura besuchte. Hier konnte ich Medellin von einer weniger touristischen Seite kennenlernen. Am meisten beeindruckt hat mich aber neben Guatape mit seinen 710 Stufen zum Hoch-und Runterlaufen die Uni, an der Laura studiert. Sie ist einfach riesengroß, hat aber nur kleine Vorlesungsgruppen und ist so modern, wie die deutschen Unis von innen. Dementsprechend teuer ist sie aber auch, man zahlt ca. 1700 Euro für ein Semester. Woher die Kolumbianer dieses Geld nehmen, bleibt mir aber noch ein Rätsel...

Sicherlich habt ihr auch von dem Unglück des Bootes in Guatape gehört, das ist echt mega traurig und ich bin echt heilfroh, dass ich zum Glück nicht Bootfahren wollte.

Nach 4 Tagen Medellin ging es endlich wieder nach Tunja. Auch wenn es für euch vielleicht schwer ist mich zu   verstehen, aber ich hatte Tunja in diesen Tagen schon ein bisschen vermisst...

Am Sonntag war ich dann auf einem Geburtstag eingeladen und hatte geplant am Montag nach Villavicencio zu fahren. So weit, so gut, das Hostel war schon ausgesucht, aber noch nicht reserviert, als mir Profe Olga erzählte dass die Straße nach Villavicencio gesperrt ist. In letzter Zeit hatte es auf dieser Strecke viele Erdrutsche gegeben, weil es sehr viel geregnet hatte. Nach ein paar Tagen Warten, ob die Straße wieder freigegeben wird, entschied ich mich nach Barichara in der Nähe von Bucaramanga zu fahren. Das Hostel war gefunden und reserviert, als einen Tag zuvor die böse Überraschung kam. In einer freundlichen E-Mail wurde mir mitgeteilt, dass wegen eines Feiertages und Hochsaison der Preis auf das Doppelte erhöht werden sollte. Also 200 Euro statt 100 Euro *schluck*...

Aber es wird noch besser... Ich weiß nicht, ob ich über diese Situation lachen oder weinen soll. Als ich am gleichen Tag Dona Bertha besuchte und ihr vom Preisaufschlag erzählte, meinte sie nur: "Pauli, du brauchst erst gar nicht losfahren, die Straße nach Barichara wurde wegen einem Erdrutsch gesperrt!" Ob ihr jetzt mit mir lacht oder weint überlasse ich euch! Deswegen dachte ich kurz darüber nach, nach Bucaramanga zu fahren, da es dort aber auch Erdrutsche gegeben hat, lasse ich es besser" Vielleicht sollte es einfach nicht so sein! Gott will nicht, dass du reist! meinten meine Nachbarn nur.

Aber das mit dem Reisen klappt doch noch! Ab heute gehts vier Tage in den Cocuy! Da gibt es sogar Schneeberge und es ist trotzdem nur so kalt wie Tunja! Falls ich mich aber nicht mehr melden sollte, bin ich im Cocuy erfroren!!

 

 

 

08Juni
2017

Urlaub

Hola a todos!

Nach beinahe 2 Monaten ohne Lebenszeichen melde ich mich mal wieder.  Da meine Familie mich besuchen kam und ich durch den "Paro" alle siebten Klassen mittlerweile alleine unterrichte, bleibt durch Unterrichtsvorbereitung nicht so viel Zeit.

Heute berichte ich von meiner Familienreise im April:

Medellin:

Ich kam ein wenig später als die anderen Freiwilligen nach Medellin. Laut den Kolumbianern ist Medellin eine der schönsten Städte Kolumbiens. Anfangs konnte ich noch das Pueblito Paisa und den Plaza de Botero genießen, bis ich mir leider auf dem Früchtemarkt den Fuß verknacksen musste.

Salento:

Tja... vom Dorf was für das Valle de Cocora bekannt ist und für die Kaffeeproduktion kann ich leider nicht ganz so viel berichten, da mein lieber Fuß dafür verantwortlich war, dass ich lieber in der Hängematte bleiben sollte. Immerhin konnte ich am letzten Tag einen Ausflug zum Wasserfall machen.

 

Covenas:

Hier gefiel es mir am Besten, da Covenas erstens am Meer liegt und zweitens nicht so touristisch ist. Covenas ist zwar eine relativ arme und einfache Gegend, aber irgendwie hatte es etwas an sich, was ich toll fand.

 

Lorica:

Zwar waren wir hier nicht lange. Trotzdem habe ich es aber irgendwie geschafft mich in diese Stadt zu verlieben. Aus etwas ganz einfachem kann etwas ganz Besonderes gemacht werden. Vielleicht versteht ihr nicht ganz was ich meine. Die meisten Ecken der Stadt glichen zwar eher einer Bauruine, der Markt war einfach nur furchtbar chaotisch, was für manch ordentlichen Deutschen ein großes Desaster dargestellt hätte. Aber besonders lustig für mich war, dass man im "Restaurant" sogar zuschauen konnte, wie das Essen zubereitet wird.

Das nächste Mal berichte ich von meinem Ausflug nach Paipa!

 

24März
2017

Nuevas Perspectivas

Hola a todos!

Como están?

Heute gibt es mal einen kleinen Mix aus der ganzen Zeit was ich so getrieben und erlebt habe. Wie immer weiß ich mal wieder nicht wo ich anfangen soll.

 

Vielleicht mit meinen "Nuevas Perspectivas", die ich ein wenig verspätet abgeschlossen habe. Ich habe versucht meinen Schülern mal ein paar Einblicke in den deutschen Schulalltag zu geben. Deswegen haben wir mal das deutsche Schulsystem genauer unter die Lupe genommen. Mit viel Gruppenarbeit, role plays und einer abschließenden Diskussion mit dem Thema "Colombia vs. Germany- one leader?" haben wir über die Zeit vor dem kommenden Abi meiner Elftklässler diskutiert. Was mich aber besonders überrascht hat, ist die Frage über die Schuluniform. Während bei einer meiner Umfragen sowohl deutsche Schüler und auch einige Lehrer stark dagegen sind, sah es in Kolumbien ganz anders. Entweder hatten die Schüler gar keine Meinung oder tendierten zur Schuluniform. In Deutschland habe ich oft gehört, dass die Schuluniform den eigenen Stil verhindert und man sich in Uniform oft unwohl fühlt. Hier hingegen habe ich von einigen Schülern gehört, dass die Kleidung doch gar nicht von der Intelligenz oder den Kenntnissen abhängt und sie deswegen auch keine Rolle spielen sollte. Am Ende hat dann Kolumbien die Diskussion gewonnen. :-)

Doch genug geredet, was ist denn immer das Beste? Bilder natürlich: :-) deswegen kam auch die Abizeitung besonders gut bei Schülern und Lehrern an.

Wenn wir schon bei "Nuevas Perspectivas" sind, vor kurzem hatte ich ein wenig die Gelegenheit den   Lehreralltag  noch besser aus sicht der Lehrer zu bekommen, da meine Lehrerin von einem auf dem anderen Tag aus mir unerklärlichen Gründen gekündigt wurde. Wie meine Koordinatorin, der Rektor und alle Lehrer fiel auch ich aus allen Wolken. Da die Leherin alle elften Klassen hatte, habe ich dann kurz darauf die Abivorbereitung übernommen, bis die neue Lehrerin kommen sollte. Eigentlich war nur eine Woche geplant, dass ich alle Klassen (drei Neunte, eine 6. und drei elfte) übernehme, doch das liebe Bildungsministerium ließ sich eben seine Zeit...

Aus der ganzen Zeit ein kleines Resumé was ich gelernt habe:

  • auch wenn man den Satz "Write it down, please" unzählige Male wiederholt kann es bis zum Ende der Stunde dauern, dass er bei den Schülern ankommmt
  • ich durfte die "Enfermedad des Maestros" kennenlernen, das heißt, ohne Stimme total heiser aus der 6. Klasse zu kommen, weil sie nicht still sein konnten. Deswegen eine kleine Bitte an meine Unterstützer: Sammelt bitte für ein Megaphon! Dann muss ich nicht öfter Mundverbot von meinen Lehrern erteilt bekommen oder schlafend langweilige Nachmittage zuhause im Bett verbringen, weil ich nicht aufstehen darf! (Ja das war wirklich einmal so!)
  • der beste Freund eines Schüler nennt sich Traductor oder mit anderen Worten "Google Übersetzer" und war in gewissen Klassen sogar im Unterricht erlaubt. Ich habe es aber mittlerweile geschafft, ihn aus dem Unterricht zu verbannen. :-)
  • selbst wenn man an die Tafel schreibt, was für die nächste Unterrichtstunde an Material benötigt wird, hat es in der nächsten Stunde keiner dabei.
  • egal wie oft man den Satz "study for your exam" wiederholt, die meisten Schüler haben ihn noch nicht verstanden und ziehen es geschweige denn in Erwägung.
  • das Handy ist der beste Freund eines Schülers (auch im Unterricht)
  • Tests und Klassenarbeiten werden nicht nur allein, sondern auch in Partner- und Gruppenarbeit geschrieben
  • Am schwierigsten ist es Hausaufgaben oder sonstige Arbeiten pünktlich oder überhaupt abzugeben. (ich gebe ehrlich zu, dass ich in meiner Schulzeit vielleicht auch nicht immer die pünktlichste war)
  • Die Wahl zum Schulsprecher erinnert eher an eine Siegerehrung.
Vielleicht werden die Schüler ein wenig ins schlechte Licht gestellt, aber ich möchte einfach ehrlich bleiben. Ich möchte weder auf der deutschen noch auf der kolumbianischen Schulseite alles schönreden. Es gibt Dinge, die ich im Nachhinein in Deutschland gut finde. Eine Sache dabei ist ein wenig die Strenge oder auch Dinge, die wir beim Seminarkurs oder durch das wunderbare Fehlzeitenformular (ja ich habe es zur Schulzeit auch gehasst) gelernt haben. Es sind einfach die kleinen Dinge, die es gezeigt haben. Wenn ich mich daran zurückerinnere hätte eine Kleinigkeit ausgereicht um eine 6 oder 1,0 im kolumbianischen System zu bekommen.
 
Jetzt aber noch zu ein paar Sachen zum Schmunzeln:
 
  • "Wenn man einen dunklen Schlafanzug hat, bekommt man Albträume!" Zitat meiner kolumbianischen Mami
  • "Ya vengo"= undefininierte Zeitspanne zwischen 5 Minuten und 2 Stunden
  • "Manana y la otra semana"= Zeitspanne von 1 Tag bis 4 Wochen
  • wenn man ein Wort nicht auf Englisch weiß wird einfach -ation angehängt. Mal sehen, ob mir das in Deutschland auch passiert. Beispiele dafür sind arrozation (Reis), Banation (Klo), profesoration (Lehrer) und das mit Abstand beste rompation corazon (gebrochenes Herz)

Oft werde ich gefragt, ob ich eigentlich Lehrer werden will und welche Art als Lehrer ich mir besser vorstellen kann. Wenn ich ehrlich sein soll, kann ich die Frage nicht beantworten. Um ehrlich zu sein finde ich es sehr schwierig.  Eine Sache, die mir sehr schwerfällt ist, dass ich z.B. nicht immer auf jeden Schüler eingehen kann, da die Klassen sehr groß sind (ca. 35 Schüler). Es ist aber auch sehr schön zu sehen, was für Erfolge manche Schüler erziehlt haben.Ich konnte einige so motivieren, dass sie die Klasse doch noch geschafft haben und sie Freude am Englischunterricht gefunden haben. Einige haben sich von der Note Mangelhaft auf die Note Zwei verbesstert und es gab kaum noch Schüler die unterpunktet haben. Das macht einen schon glücklich und stolz.

Dazu ein kleines Video:

https://www.youtube.com/watch?v=dqTTojTija8

Doch Fakt ist, auch wenn man manchmal alles nicht so leicht findet  oder frustriert ist, weil nichts funktioniert oder du denkst, dass die Schüler dich vielleicht hassen, gibt es wieder Momente, die dir zeigen, dass es sich lohnt. Sei es, wenn ein Schüler zu dir herkommt und dich fragt, wie er sich verbessern kann, wenn die Eltern fragen, welche Noten einer deiner Schüler hat und du dich deswegen nützlich fühlst, eine Klasse sehr schön mitarbeitet oder die Schüler der Primaria super mitarbeiten.

Kolumbien ist...

... wenn man in zwei Tagen 20 Kartoffeln essen kann.

...wenn du immer und überall willkommen bist.

... wenn das Mittagessen das Wichtigste auf der ganzen Welt ist.

 

... so groß, dass ich immer noch nicht ganz Boyaca kenne.

... wenn du das erste mal Pfirsischbäume oder Bananenpalmen sehen kannst.

... wenn die Fincas die schönsten Plätze sind.

 

... wenn der Käse schon selbstverständlich in die heiße Schokolade, das Agua de Panela oder auf den Obstsalat kommt.

...mein Hollywood.

 

 

 

 

06März
2017

Mein Leben in Kolumbien

hola a todos!

ich hoffe euch geht es gut und freut euch mal wieder was von mir zu hören.

Es ist viel passiert. Ich bin ein wenig gereist und habe ein wenig mehr in Boyaca kennengelernt.

Toca:

Toca ist ein kleines Dorf in der Nähe von Paipa. Hier wohnt eine meiner besten Freundinnen Ivonne. Wir sind zu einer Lagune gelaufen. :-)

Tinjaca:

Tinjaca liegt in der Nähe von Chiquinquira und ist ebenfalls ein kleines Dorf. Auf der Geburtstagsparty von meinem Mitfreiwilligen Lino lernte ich die Nachbarn von Linos Familie kennen und konnte das darauffolgende Wochenende 6 kleine Kartoffeln und 4 Criollas essen. (Ich wusste gar nicht, dass so viel in mich reinpasst haha) In den nächsten Wochen lerne ich wie man Empanadas macht. :-)

Eine kleine Impression aus meinem Barrio mit meinen drei besten Freundinnen Ivonne, Karol und Vivian:

 

 

 

 

18Januar
2017

Schulstart

Hola a todos!

Die Ferien sind nun auch in Kolumbien vorbei und der Schulalltag geht wieder los.

Doch dieses Mal war es anders - ich kann mir selbst nicht erklären, warum ich wie verrückt auf diesen Tag hingefiebert habe und wie sehr ich mich gefreut habe, endlich wieder in die Schule zu gehen.

Am Ende der Ferien hab ich es sogar so stark vermisst in die Schule zu gehen, dass ich sogar schon früher als meine Mitfreiwilligen hingegangen bin, um zusammen mit den Lehrern zu arbeiten.

Früher habe ich meine Mitschüler als verrückt bezeichnet, dass sie FREIWILLIG schon früher in die Schule wollten. Jetzt bin ich auch so geworden... Warum- keine Ahnung!

Nichtsdestotrotz war es für mich auch schön, mit den Lehrern zusammenzuarbeiten, da ich auf der einen Seite viele neue Wörter gelernt habe und auf der anderen bei der Verbesserung der Schule mitarbeiten durfte. Der beste Tag war, als uns ein neues Lernprogramm auf Tablets vorgestellt wurde. So durfte ich zum allerersten Mal in meinem Leben ein Tablet in der Hand halten. Ob das mit dem Lernprogramm und den Tablets funktioniert, weiß ich nicht.

Noch besser als der Tag mit den Tablets waren die 30 Minuten Pausen. Während ich an einem Tag die Urlaubsfotos von Esperanza in Leticia (Dschungelregion) bewundern durfte und Geschichten über einheimische Völker, die sie dort kennenlernte, hören durfte, verbrachten wir die meisten Pausen mit Kaffeetrinken. Meine lieben Profes haben mich nicht nur zur Panaderia mitgenommen, sondern auch noch eingeladen. Danke für die vielen Tintos, Kekse oder das Stück Kuchen, das ich nicht geschafft habe...;.)

Mittlerweile beeindruckt mich Kolumbien von Tag zu Tag mehr, unter anderem auch das Schulsystem. Hier ein Beispiel:

Jorge unterpunktet Englisch, Mathe und Informatik. Zuerst bekommt er von seinen Lehrern die Chance eine alte schon abgegebene Aufgabe zu verbessern. Dies nimmt er aber nicht in Anspruch. Daher erstellt Lehrerin Yadira einen "Plan de Apoyo" mit verschiedenen Aufgaben für ihn. Diesen gibt Jorge aber nicht ab, weil er ihn anscheinend verloren hat. Da seine Note aber so schlecht ist, muss er zur Nachprüfung in Englisch. Vor der Nachprüfung hat Jorge das Glück an einem einwöchigen Intensivkurs bei Lehrerin Yadira teilzunehmen. Trotz des Intensivkurses unterpunktet Jorge die Habilitación in Englisch, wie durch ein Wunder schafft er aber die Habilitación in Mathe und Informatik. Da man die Noten untereinander nicht ausgleichen kann, muss Jorge im Januar nochmals zur Habilitación. Die zweite Habilitación ist für Schüler, die in einem Fach "pendiente" sind, also unterpunktet haben, nun können sie ihre zweite Chance nutzen und erneut eine Nachprüfung schreiben. Vor der zweiten Nachprüfung genießt Jorge einen dreitägigen Intensivkurs in Englisch und schreibt die nahezu gleiche Habiltación.

Bis ich dieses System verstanden habe, hat es ein wenig gebraucht. Anfangs saß ich einfach nur kopfschüttelnd da und habe versucht zu verstehen warum die Schüler so viele Chancen bekommen. Laut Profe Mario tragen in den Augen der Eltern die Lehrer die Schuld, dass ihr Kind nicht versetzt wurde. Viel faszininierender fand ich aber die Worte meiner Koordinatorin in einer Lehrerkonferenz: " Frag ihn, warum er den "Plan de apoyo" nicht abgegeben hat! Such ihn, sprich mit ihm!"

Wie? Die Lehrer suchen die Schüler, wenn der Schüler unterpunktet? Warum das denn? Ist das nicht die Aufgabe eines Schülers? Noch mehr Kopfschütteln bereiteten mir die Worte von Chemielehrerin Luz Omaira über Lina, die Chemie unterpunktete. "Ich lasse Lina die Habilitación erst im Januar schreiben (fast im neuen Schuljahr), damit sie genug Zeit zum Lernen hat!" Bitte was!? Ich habe gedacht, ich bin im falschen Film.

In Deutschland setzen die Lehrer mehr auf Eigeninitiative eines Schülers und wenn er sich nicht von sich aus meldet, machen die Lehrer auch nichts.

Soweit, so gut...

Heute war der erste Schultag aller Klassen zusammen, der sich sehr stark von einem deutschen unterscheidet. In Deutschland ist alles perfekt durchorganisiert. Die Schüler gehen in ihr altes Klassenzimmer und werden dort dann mit ihrem alten oder neuen Klassenlehrer den Tag verbringen. Dieser besteht dann in den niedrigen Klassen aus von den Ferien erzählen und dann Organisatorischem, bis hin zum Stundenplan. Um Frau Häcker (meine ehemalige Klassenlehrerin) zu zitieren: "Das Beste kommt zum Schluss!"

Stundenplan- das gibt es bisher nicht! Der kommt erst am Freitag oder Montag!

Da hättet ihr mal meinen Blick sehen sollen! Wie machen die dann Unterricht? Spontanität war nur der Kommentar von Profe Sony :-)

Um ehrlich zu sein, fand ich den Schulanfang hier in Kolumbien trotzdem sehr schön.

(Das liebevoll gestaltete Willkommensplakat der Schule)

Am Anfang haben sich alle Schüler wie bei der Izada de la Bandera aufgestellt. Oben standen dann wir Lehrer und unten die Schüler, in den ehemaligen Klassen.

Warum ehemalig? Wusstet ihr, dass in Kolumbien die Klassen bis zur 9. Klasse jährlich neu gemischt werden können? Damit Störenfriede nicht zusammensitzen können oder eine Kurs nicht nur aus solchen besteht.

Da wir neue sechste Klassen hatten, sollten sich die Lehrer kurz vorstellen und sagen welche Klassen sie unterrichten werden. Und wie es auch so kommen musste,  überreichte Profe Clara Helena der ahnungslosen Pauline das Mikrofon mit den Worten "Ahora te toca a ti. (=Jetzt bist du dran!") Ein wenig überrumpelt schaute ich sie an "Qué?(Was?) Yo? (Ich?) En serio (Wirklich?). Ja geh vor!, meinte sie nur. Da stand ich nun vor einem Haufen Schüler und musste mir schnell etwas einfallen lassen. Immerhin hab ich sogar einen kleinen Applaus bekommen!

Was ich aber wahnsinnig süß und toll zugleich fand, war die Reaktion der Schüler auf die Lehrer. Als Profe Florinda meinte, dass sie die Schüler ab der 9. Klasse in Physik unterrichten wird, gab es Freudenschreie und Freudensprünge. Bei den anderen Lehrern war es genauso. Profe Yadira hat es aber anders gemacht und nur gemeint "Welche Klassen ich unterrichte, sag ich nicht wink!"

Eine Sache, die mir auch besonders gut gefallen hat, waren die Worte von Myriam und meinem Rektor Ricardo. Un abrazo fraterno (=eine brüderliche Umarmung), die besten Wünsche fürs neue Schuljahr, Träume über das Berufsleben und viele mehr. Meiner Meinung nach kann man von den Kolumbianern vieles lernen. Warum muss alles genau durchorganisiert sein? Warum muss man unbedingt an gewissen Anlässen mehrseitige Reden vortragen? Egal ob beim Abiball, Hochzeiten, Einschulung oder Schulbeginn. Warum reichen nicht einfach mal wenige Worte, die viel persöhnlicher sind?

Eine weitere Sache, die sich auf die Schule bezieht ist das Manual de Convivencia, der Leitfaden oder das Regelwerk, wie man es nennen möchte. In den meisten Schulen besteht dieser aus Regeln, was die Schüler dürfen und was nicht und welche Strafen drohen.

Spannend sind für mich die Unterschiede der Werte , die an meiner Schule gelten. In Deutschland wird in den Schulordnungen das Wort Respekt großgeschrieben, im Gegenzug sind es hier amor und carino (Warmherzigkeit). 

Ein weiteres interessantes Thema ist, dass in Deutschland kaum ein Wort über die Beziehung zwischen Schüler, Rektor, Lehrer und Koordinatoren oder dem Verwaltungspersonal verloren wird. Hier werden alle als familia bezeichnet.

Der Teil mit der "Familia" wurde mir gestern und heute sehr stark bewusst, als ehemalige Schüler vorbeikamen. Diese wurden besonders herzlich von allen Lehrern empfangen. Heute kam Angie vorbei, die dieses Jahr ihr Abi gemacht hat und etwas später noch Jorge, der seit 5 Jahren fertig ist und immer wieder vorbeikommt um Profe Dora und Aide zu besuchen.

Dora hat mir erklärt, dass der Schule der Kontakt mit den ehemaligen Abiturienten sehr wichtig ist und es auch immer wieder Treffen mit ihnen gibt und die Lehrer mit ihnen über WhatsApp oder Facebook in Verbindung stehen.

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